Autor Thema: Historische Pisten im Harz  (Gelesen 34600 mal)

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #30 am: Mai 23, 2013, 09:58:29 Nachmittag »
Wenn man eine Tour auf den Brocken machen möchte, ist dies im Einklang mit den Wünschen der Nationalparkverwaltung nur auf den Wegen und ausgewiesenen Loipen möglich.

Ich fände es angebracht, wenn die historische Arthur-Ulrichs-Strecke als Skiwanderweg mit in den NP-Wegeplan aufgenommen werden würde.

Bis dahin gilt die Forderung:

« Letzte Änderung: Mai 23, 2013, 10:04:59 Nachmittag von playjam »

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #31 am: Mai 23, 2013, 10:25:48 Nachmittag »
Hier das obere Stück der Brocken Abfahrt in Google Maps eingezeichnet. Müßte etwa stimmen.

XXLRay

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #32 am: Mai 24, 2013, 01:13:56 Nachmittag »
Dankeschön

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #33 am: Mai 25, 2013, 01:08:15 Nachmittag »
Netterweise hat Herr Peter Schmidt (u.a. ehemaliger Betreiber des Hohnekopf-Skigebietes) die Skizze der Schierker Wintersporteinrichtungen von 1950 ergänzt und weitere Informationen geliefert:



So sah die Eckerlochschanze (Photo von Herrn Schmidt, in der Skizze bei Ziel 1) mal aus:



Der Slalomhang am Großen Winterberg wurde 1932 von unten an der Sandbrinkstrasse bis ca. 2/3 zum Gipfel angelegt. Der Slalomhang war ca. 200m breit (breiter als die Kaffeehorst-Piste). Herr Schmidt hat den Hang von 1950 an genutzt. Es wurden dort Slalom-Wettrennen durchgeführt, an denen auch Braunlager Skifahrer teilgenommen haben. 1954/55 wurde die Slalomabfahrt auf einer Forstschneise bzw Bestandsschneise um eine schmalere Schneise bis auf die Kuppe des großen Winterbergs erweitert. Daraufhin wurden auch Abfahrtsrennen vom Gipfel durchgeführt. Durch die innerdeutsche Grenzziehung lag der Slalomhang in der Sperrzone und durfte von 1961 an nicht mehr betreten werden.

Der Skihang am Erdbeerkopf wurde als Ausgleich für den verlorenen Slalomhang am Gr Winterberg 1962 bis 65 nördlich vom Schierker Bahnhof angelegt.  Der Skihang am Erdbeerkopf verfügt über einen Hakenschlepplift mit Dieselmotor (Stahlseil 8mm, mit Haken zum Einhängen). Der Lift ist heute noch in Gang und wird vom Schierker Skiclub genutzt. Der Skihang am Erdbeerkopf liegt zwar im Nationalpark und hat aber Bestandsschutz.

Nicht auf der Skizze ist der Skihang am Hohnekopf (Google Maps). Der Skihang ist aus einem Windbruch der 50/60er Jahr entstanden und wurde in den 70ern von Windbruch befreit, entstucked und die Fläche planiert. Zunächst wurden zwei  hintereinanderlaufende Schlepplifte mit ständig umlaufenden Seil mit Hakenbetrieb installiert (unterer Lift 300m Länge, oberer Lift bis zur Hohneklippe 450m Länge). Der Skihang am Hohnekopf war sehr populär bzw. ständig überlaufen, weil er außerhalb der Sperrzone lag.

Daher fasste man Anfang der 80er den Plan einen Tatrapona Lift (Geschwindigkeit: 5m/s, Förderleistung: 1200 Personen/h) zu installieren. Den Liftbau und Skigebietserweiterung hat Herr Schmidt von 1984 bis 1986 geplant. Der Bau erfolgte 1986 und konnte im Februar 1988 für den Wintersport in Betrieb genommen werden.

Es gab zwei Pistenbullies: Ein Pistenbully war ein Eigenbau mit einer Bearbeitungsbreite von 3m, der dem Kässbohrer 100 ähnelte. 1987/88 wurde ein zusätzlicher Pistenbully von Wismuth mit einer Bearbeitungsbreite 5m gekauft.

Zunächst wurde der Skihang Hohnekopf von der Stadt Wernigerode als Sportstätte betrieben und Herr Schmidt war ehrenamtlicher Betreiber. Nach der Deutschen Einheit hat Herr Schmidt den Skihang am Hohnekopf als Pächter weitergeführt. Nach der Grenzöffnung fanden immer weniger den Weg zum Skihang daher wurde der Betrieb zunehmend nicht wirtschaftlich tragbar. 2001 konnte der Betreiber aufgrund der fehlenden Einnahmen den Pachtvertrag nicht mehr verlängern. Die Stadt Wernigerode verschrottete daraufhin den Lift und die beiden Pistenraupen.

Auf Google Maps sieht man, dass die Piste weiterhin Baum-frei ist, d.h. ein lohnendes Ziel für Freerider und Tourengeher. Bei der Gründung des gemeinsamen Nationalparks wurde den bestehenden Wintersportgebieten, die im Nationalpark liegen, Bestandsschutz garantiert. Mir ist nicht bekannt, wie der Status vom Skihang am Hohnekopf ist.

Bilder vom Skihang Hohnekopf (Photos von Herrn Peter Schmidt):














« Letzte Änderung: Mai 25, 2013, 02:13:41 Nachmittag von playjam »

XXLRay

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #34 am: Mai 25, 2013, 01:53:43 Nachmittag »
Steckt man am Ende deiner eingezeichneten "Brockenabfahrt" eigentlich in nem Tal fest oder würde man da auch weiter abfahren können? Hab leider keine Karte mit Höhenprofil.

Max

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #35 am: Mai 25, 2013, 02:23:21 Nachmittag »
Wirklich ärgerlich, dass es diese kleinen Skigebiete nicht mehr gibt, vor allem auch da es offenbar für keines so etwas wie einen Ausgleich gegeben zu haben scheint und der Hohnekopf erstaunlich breit ist!

Ansonsten, bedeutet folgender Satz, dass man den Erdbeerkopf prinzipiell befahren darf oder gilt der Bestandsschutz nur für den Skiverein?


Der Skihang am Erdbeerkopf wurde als Ausgleich für den verlorenen Slalomhang am Gr Winterberg 1962 bis 65 nördlich vom Schierker Bahnhof angelegt.  Der Skihang am Erdbeerkopf verfügt über einen Hakenschlepplift mit Dieselmotor (Stahlseil 8mm, mit Haken zum Einhängen). Der Lift ist heute noch in Gang und wird vom Schierker Skiclub genutzt. Der Skihang am Erdbeerkopf liegt zwar im Nationalpark und hat aber Bestandsschutz.


playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #36 am: Mai 25, 2013, 02:57:50 Nachmittag »
Steckt man am Ende deiner eingezeichneten "Brockenabfahrt" eigentlich in nem Tal fest oder würde man da auch weiter abfahren können? Hab leider keine Karte mit Höhenprofil.

Das Profil von der Großen Brockenabfahrt habe ich Dir mit dem Gelaendeprofil Tool erstellt:



Den Weg zurück in den Ort Schierke bis zur Jugendherberge über die K1356/Brockenstraße ist eher flach (30hm auf 1000m Strecke). Klick hier, dann kannst Du mit dem Tool selber nur den letzten Weg anschauen.

XXLRay

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #37 am: Mai 25, 2013, 07:34:51 Nachmittag »
Klasse - das schau ich mir mal genauer an.

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #38 am: Mai 26, 2013, 10:16:21 Vormittag »
Wirklich ärgerlich, dass es diese kleinen Skigebiete nicht mehr gibt, vor allem auch da es offenbar für keines so etwas wie einen Ausgleich gegeben zu haben scheint und der Hohnekopf erstaunlich breit ist!

[...]

"Wirklich ärgerlich"...  ich drücke das mal so aus:

Die Piste am  Hohnekopf hat eine Länge von über 800m mit einer Höhendifferenz von über 270hm, d.h. eine durchschnittliches Gefälle von 32%, Nord-Ost-Ausrichtung (siehe Geländerprofil Skihang am Hohnekopf). Die Gesamtstrecke mit der neuen Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg vom Gipfel bis zur Sessellift-Talstation, auf die wir uns alle freuen, weil sie anständiges Gefälle aufweist, hat etwa dieselbe Länge bei einem durchschnittlichen Gefälle von 26% (siehe Geländerprofil neue Hexenritt-Piste).

Wo wäre noch so eine Piste als Ausgleich zu schaffen gewesen? Da hätte man schon den Brocken erschließen müssen. Aus meiner Sicht haben die damaligen Verantwortlichen bei der Stadt einfach völlig versagt.

Auf http://www.harzwinter.de sind übrigends unter Drei Annen Hohne noch weitere Informationen und Archivbilder aus den 70er Jahren zum Hohnekopf Hang.

Übrigens: Als ich um die Jahrtausendwende in der Tourist-Info von Wernigerode nach Skipisten fragte, bekam ich eine negative Antwort: "Gibt es nicht". Falls jemand vor Ort ist, wäre es interessant zu wissen, ob die mittlerweile wenigstens ihr Stadtskigebiet im Zwölfmorgental kennen.
« Letzte Änderung: Mai 26, 2013, 11:23:43 Vormittag von playjam »

Doppelmayr

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #39 am: Mai 27, 2013, 11:54:53 Nachmittag »
Wirklich ärgerlich, dass es diese kleinen Skigebiete nicht mehr gibt, vor allem auch da es offenbar für keines so etwas wie einen Ausgleich gegeben zu haben scheint und der Hohnekopf erstaunlich breit ist!

[...]

"Wirklich ärgerlich"...  ich drücke das mal so aus:

Die Piste am  Hohnekopf hat eine Länge von über 800m mit einer Höhendifferenz von über 270hm, d.h. eine durchschnittliches Gefälle von 32%, Nord-Ost-Ausrichtung (siehe Geländerprofil Skihang am Hohnekopf).

Und warum wird so ein schon damals offentsichtlich sehr beliebeter und schöner Abfahrtshang mit erstklassigem Gefälle nicht wieder in Betrieb genommen??? Etwas besseres könnte dem Harz doch gar nicht passieren und mit ein wenig Werbung kämen die Skifahrer sicherlich in Scharen wieder zurück!!!!
« Letzte Änderung: Mai 28, 2013, 12:02:16 Vormittag von Doppelmayr »

sommerphobie

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #40 am: Mai 28, 2013, 11:54:03 Vormittag »
Die Piste am Hohnekopf hat eine Länge von über 800m mit einer Höhendifferenz von über 270hm, d.h. eine durchschnittliches Gefälle von 32%, Nord-Ost-Ausrichtung (siehe Geländerprofil Skihang am Hohnekopf).

Der ehem. Skihang liegt auf einer Höhe von rund 830m bis 665m, woraus sich eine Höhendifferenz von ca. 165m ergibt. Das durchschnittliche Gefälle liegt bei knapp über 20%.





Abfahren kann man dort immer noch. Erlaubt ist das natürlich nicht. Im oberen Teil verläuft aber wohl ein Wanderweg, den man vor lauter Schnee nur nicht gefunden hat. ;)

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #41 am: Mai 28, 2013, 02:35:00 Nachmittag »
Der ehem. Skihang liegt auf einer Höhe von rund 830m bis 665m, woraus sich eine Höhendifferenz von ca. 165m ergibt. Das durchschnittliche Gefälle liegt bei knapp über 20%.

 ::) Stimmt, da habe ich mich vertan.

Hier noch die Zeitungsmeldung zur Skiliftpremiere im Februar 1988:




Doppelmayr

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #42 am: Mai 28, 2013, 07:46:47 Nachmittag »
Was würde denn ein (viellt. auch gebrauchter)Tellerlift mit einer Schlepplänge von den im Artikel genannten 970 m Schlepplänge kosten? Eine Pistenraupe könnte man ebenfalls gebraucht beziehen. Ist der Hang per PKW zu erreichen??

playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #43 am: Mai 28, 2013, 09:08:59 Nachmittag »
Was würde denn ein (viellt. auch gebrauchter)Tellerlift mit einer Schlepplänge von den im Artikel genannten 970 m Schlepplänge kosten? Eine Pistenraupe könnte man ebenfalls gebraucht beziehen. Ist der Hang per PKW zu erreichen??

Schau bei http://www.seilbahn.cc/ sicherlich wirst Du da die eine oder andere Occasion finden. Das Problem wird aber eher sein, eine Genehmigung vom NP zu erhalten, einen Lift aufzustellen, als die ca. 250KEUR für eine gebrauchte Erstausstattung. Es wäre schon viel erreicht, den NP zu überzeugen, den Skihang offiziell für Tourengeher und Freerider freizugeben.


playjam

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Re: Historische Pisten im Harz
« Antwort #44 am: Mai 28, 2013, 09:16:46 Nachmittag »