Autor Thema: Harz in der Presse  (Gelesen 157384 mal)

playjam

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1065 am: Oktober 14, 2017, 05:35:45 Nachmittag »
Kahle Flächen, tote Bäume - im Brockenwald sieht es chaotisch aus (volksstimme.de 14.10.2017)
Zitat
Wernigerode l Die augenscheinlichen chaotischen Zustände entlang der Brockenstraße schockieren viele Wanderer. Was ist los im Brockenwald? Wird der Nationalpark Harz der Borkenkäferplage nicht mehr Herr? Stirbt gar ein ganzes Waldgebiet?
[...]
 „Sicher muten wir den Brockenwanderern derzeit viel zu. Und sicher sind die derzeitigen Waldbilder gewöhnungsbedürftig.“ [Anm.: Nationalparkleiter Andreas Pusch]
[...]
Er gibt zu, dass sich die Käferplage rasanter entwickelt habe, als noch vor zehn Jahren angenommen.
[...]
Die Angst um den Wald im Nationalpark Harz sei unbegründet: „Der Wald kehrt zurück [...].“ Wie lange es dauert bis zur völligen Entfaltung? „Sicher Jahrzehnte“, sagt der Parkrschef
[...]
selbst Harzbewohner [kritisieren] den Waldzustand harsch
[...]

Eumel153

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1066 am: Oktober 19, 2017, 10:55:42 Vormittag »
Wenn so eine Aussage wirklich von einem NP Leiter kommt, dann fehlt mehr jedes Verständnis.

Ich war vor ein paar Wochen zum Wandern am Brocken. Die Käferplage kannte ich schon, war aber dieses Jahr noch nicht am Brocken gewesen.
Ich war regelrecht schockiert und meine Laune wurde während der Wanderung immer schlechter.

Die Brockenstraße war mal so schön im Wald gelegen. Inzwischen sind auch große Teile (fast alles) der oberen Brockenstraße bis zum Brocken befallen.
Die Hexenstieg zum Erdbeerkopf war auch der totale Frust. Ab Brockenstraße ist der gesamte Weg (im oberen Teil) befallen. Entweder sind die Bäume schon kahl, es beginnt gerade oder die Bäume sind schon gefällt.
Erst kurz vor dem Erdbeerkopf wird es besser.

Wenn dann der NP Leiter sagt, dass dieser Anblick gewöhnungsbedürftig ist, dann treibt es mir doch etwas die Zornesröte ins Gesicht.

Die Käferplage hat sich also rasanter entwickelt, als vor 10 Jahren angenommen ? Gab es zwischenzeitlich nicht die Möglichkeit gegenzusteuern ?
Während meiner Touren in den letzten 10 Jahren sind mir immer neue Käfergebiet aufgefallen. Man hätte also spätestens vor 3-5 Jahren gegensteuern können. Der NP Leiter redet also nur ....

Der Wald kehrt also zurück. Das dürfte aber 30 Jahre dauern. Leute mittleren Alters werden das also nicht mehr erleben. Das nenne ich mal grüne Ideologie.

Die hätten liebe die Piste in Schierke genehmigen sollen und dafür den restlichen Wald retten.
Zumindest sind die Prioritäten klar verteilt.

Der Wald ist nicht wichtig, etwas zu verhindern hat dagegen höchste Priorität.
Wo ist die grüne Umweltministerin ? Hier könnte man wirklich für den Wald kämpfen.

VG

Pistenbully

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1067 am: Oktober 19, 2017, 11:22:16 Vormittag »
Der Wald ist nicht wichtig, etwas zu verhindern hat dagegen höchste Priorität.
Wo ist die grüne Umweltministerin ? Hier könnte man wirklich für den Wald kämpfen.

Alle Beteiligten sollten sich langsam mal entscheiden was Ihnen Fichten-Monokulturen wirklich wert sind. Wenn die aus biologischer Sicht wirklich wertlos sind (man sie also dem Borkenkäfer überlassen kann) dann wundert es mich, dass man an anderer Stelle (Schierke) ein Drama um die geplante Fällung einer relativ kleinen Fläche macht. Sollten Fichten-Monokulturen dagegen schützenswert sein kann ich die Nicht-Bekämpfung des Borkenkäfers nicht verstehen.
So wie man es jetzt macht hat man bald weder Winter noch Sommertouristen.

Max

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1068 am: Oktober 19, 2017, 11:26:48 Vormittag »
@Eumel153: Ziemlich genau so sehe ich das eigentlich auch! Es mag sein (oder vielleicht auch nicht), dass der Waldumbau sich irgendwann einmal lohnen wird. Das wird aber bestenfalls einige Jahrzehnte dauern, sofern es denn überhaupt wie geplant funktioniert.

Viele die den Harz so mögen wie man ihn kennt, werden bis dahin letztlich nur tatenlos dabei zuschauen können, wie er mehr und mehr abstirbt und über lange Zeit ein trostloses Bild abgeben wird. Ob wir dann am Ende tatsächlich noch einmal den 'neuen' Harz genießen können steht in den Sternen.

Mir tut es ehrlich gesagt um die vielen schönen Orte leid, die nach und nach verschwinden werden. Am Oderteich ist es schon soweit, beim Silberteich nahe Braunlage wird es auch irgendwann soweit sein und selbst das idyllische Tal rund um den Rinderstall wird es so in absehbarer Zeit nicht mehr geben (die Aufzählung ist natürlich bei Weitem nicht vollständig).

Ich selber habe mir für den Fall ehrlich gesagt noch keinen konkreten Plan zurecht gelegt und lasse es auf mich zukommen. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen, dass mir der Anblick besonders gefallen wird — gut möglich, dass ich dann eher auf die Gebiete ausserhalb des NP ausweiche und dort Ruhe und Erholung in einem weitgehend intakten Wald suche.

Gut vorstellbar ist jedoch, dass viele Touristen ähnlich entscheiden werden oder komplett einen Bogen um den Harz machen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich diese Entwicklung irgendwie positiv auf die Besucherzahlen auswirken wird und bin u.a. gespannt darauf, wo die Tourismusverbände in Zukunft ihre Werbefotos schießen wollen, wenn die z.Z. noch schönen Orte / Motive mehr und mehr verkommen.

sommerphobie

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1069 am: Oktober 19, 2017, 09:52:11 Nachmittag »
Nationalpark bedeutet halt die Natur sich selbst zu überlassen und nur punktuell einzugreifen, wenn Touristen z.B. durch instabile Bäume gefährdet sind. Das passiert im Harz und entspricht dem was man von einem Nationalpark erwartet. Die Erwartungen von Touristen an den Harz sehen wohl eher anders aus. Allerdings ist die Aufgabe des Nationalparks nicht den Erwartungen der Touristen an die Natur zu entsprechen.

Dass die Borkenkäfer tote Bäume hinterlassen und nichts daran verändert wird, sollte bei einem Nationalpark nicht überraschen. Sowas gab es auch schon im bayerischen Wald. Bis wieder große Bäume gewachsen sind, dauert es eine gewisse Zeit. Der aktuelle Umfang mag zwar überrascht haben, aber das Prinzip war klar. Dies ist für den Tourismus wohl nicht förderlich, jedoch hat niemand (politisch) relevantes sich rechtzeitig für eine Abkehr von diesem Vorgehen eingesetzt, was wohl auch eine Abkehr vom Nationalpark gewesen wäre. Das Ganze kann man somit als politisch gewollt, toleriert oder ignoriert betrachten. Jetzt muss man damit leben oder den Nationalpark abschaffen und den Wald künstlich aufforsten.

Der Wald ist nicht wichtig, etwas zu verhindern hat dagegen höchste Priorität.
Wo ist die grüne Umweltministerin ? Hier könnte man wirklich für den Wald kämpfen.

Alle Beteiligten sollten sich langsam mal entscheiden was Ihnen Fichten-Monokulturen wirklich wert sind. Wenn die aus biologischer Sicht wirklich wertlos sind (man sie also dem Borkenkäfer überlassen kann) dann wundert es mich, dass man an anderer Stelle (Schierke) ein Drama um die geplante Fällung einer relativ kleinen Fläche macht. Sollten Fichten-Monokulturen dagegen schützenswert sein kann ich die Nicht-Bekämpfung des Borkenkäfers nicht verstehen.
So wie man es jetzt macht hat man bald weder Winter noch Sommertouristen.

In Schierke ist nunmal auch Moorwald und der ist schützenswert. Für einen künstlich angelegten Fichtenforst gilt das nicht. Natürlich gewachsener Fichtenwald ist wieder was anderes und den dürften Menschen hierzulande wohl kaum legal zerstören.

playjam

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1070 am: Oktober 20, 2017, 09:13:41 Vormittag »
Nationalpark bedeutet halt die Natur sich selbst zu überlassen und nur punktuell einzugreifen, wenn Touristen z.B. durch instabile Bäume gefährdet sind. Das passiert im Harz und entspricht dem was man von einem Nationalpark erwartet. Die Erwartungen von Touristen an den Harz sehen wohl eher anders aus. Allerdings ist die Aufgabe des Nationalparks nicht den Erwartungen der Touristen an die Natur zu entsprechen.

Prinzipiell sehe ich das genauso. Allerdings haben die Nationalparkgründer mit dem Argument für den Nationalpark geworben, es würde aufgrund des Nationalparks einen Anstieg an Tourismus geben. Folglich ist der touristische Auftrag auch im Nationalparkgesetz Harz festgeschrieben (nachrangig zur Umweltschutzaufgabe).

Die Idee, dass man ein IUCN zertifizierter Nationalpark sein möchte, entspringt den Köpfen der Nationalparkverwalter und wird weder als Ziel im Nationalparkgesetz gefordert noch erwähnt. Dieses selbst ausgewählte Ziel und eigenständig festgelegter Zeitplan haben negative Auswirkungen auf den Tourismus zum einen durch die toten Wälder, zum anderen durch die Sperrung von Wander- und Fahrradwegen in der "Kernzone" (die 75% des Parks ausmachen).   

Zitat von: sommerphobie
In Schierke ist nunmal auch Moorwald und der ist schützenswert. Für einen künstlich angelegten Fichtenforst gilt das nicht. Natürlich gewachsener Fichtenwald ist wieder was anderes und den dürften Menschen hierzulande wohl kaum legal zerstören.

Es handelt sich bei den vom Winterbergprojekt betroffenen Flächen um Kulturlandschaft, welche lange Zeit forstwirtschaftlich genutzt wurde. Im Nationalpark fallen sehr viel größere Flächen natürlich gewachsene Fichtenwälder und Moorwälder (siehe Artikel "unzugängliche Gebiete" = forstwirtschaftlich niemals genutzte Gebiete) durch Unterlassung der Waldpflege dem Borkenkäufer zum Opfer.

Nun ist es zu spät für den toten Wald noch etwas zu tun. Das Desaster sollte dennoch Konsequenzen haben, damit nicht noch andere Nationalparks in Deutschland auf die Idee kommen, derartiges Vorgehen sei legal und wünschenswert. Imho sollten solche Vorhaben genau wie die touristischen Projekte auch einem Planfeststellungsverfahren unterliegen.
« Letzte Änderung: Oktober 20, 2017, 03:39:00 Nachmittag von playjam »

Eumel153

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Re: Harz in der Presse
« Antwort #1071 am: Oktober 20, 2017, 02:47:51 Nachmittag »
Nationalpark bedeutet halt die Natur sich selbst zu überlassen und nur punktuell einzugreifen, wenn Touristen z.B. durch instabile Bäume gefährdet sind. Das passiert im Harz und entspricht dem was man von einem Nationalpark erwartet. Die Erwartungen von Touristen an den Harz sehen wohl eher anders aus. Allerdings ist die Aufgabe des Nationalparks nicht den Erwartungen der Touristen an die Natur zu entsprechen.

Dass die Borkenkäfer tote Bäume hinterlassen und nichts daran verändert wird, sollte bei einem Nationalpark nicht überraschen. Sowas gab es auch schon im bayerischen Wald. Bis wieder große Bäume gewachsen sind, dauert es eine gewisse Zeit. Der aktuelle Umfang mag zwar überrascht haben, aber das Prinzip war klar. Dies ist für den Tourismus wohl nicht förderlich, jedoch hat niemand (politisch) relevantes sich rechtzeitig für eine Abkehr von diesem Vorgehen eingesetzt, was wohl auch eine Abkehr vom Nationalpark gewesen wäre. Das Ganze kann man somit als politisch gewollt, toleriert oder ignoriert betrachten. Jetzt muss man damit leben oder den Nationalpark abschaffen und den Wald künstlich aufforsten.
Dass der Wald sich selbst überlassen wird, ist gar nicht mein eigentliches Problem. Zumindest wenn es zur Aufgabe des NP gehört.

Mich stört die inhaltlich inkosistenten Handlungsweise der Öko Heinis und Entscheidungsträger.
An jeder Stelle wollen die Grünen etwas verbieten. Angeblich zum Schutz von Natur und Bevölkerung.

Der Schutz von Natur und Bevölkerung hört aber ziemlich schnell auf, wenn die Grünen ihre eigene Forderungen nicht befolgen wollen.
Die Grünen fühlen sich berufen, sich in jeden Winkel des menschlichen Lebens einmischen zu dürfen. Wenn es denn Natur und Bevölkerung vor angeblichem Schaden schützt.

Also: Wo ist hier der Aufschrei, dass der NP in diesem Fall nicht untätig sein darf. Ist den Schaden von der Natur an der Natur kein Schaden ?
Ist eine kahle Waldfläche durch den Borkenkäfer besser, als wenn es Kettensägen gewesen wären ?

Vielleicht ist der NP ja nur ein Spezialfall. Aber nein. An anderen Stellen handeln Ökos und Grüne ja ähnlich.
Bsp. off Topic. Ich habe gelesen, dass die Grünen sogar bereit waren, in einem NP Windkraftanlagen aufbauen zu lassen. Ich glaube irgendwo in Hessen.

Wo ist der Aufschrei gegen Windkraftanlagen, wenn die Bevölkerung Vorort aus gesundheitlichen Gründen reihenweise gegen diese Anlagen Sturm läuft.
Zählt hier der Mensch nicht mehr ?

Suchen die Grünen und Ökos mit gleicher Inbrünstigkeit nach irgendwelchen nie gesehenen und vom Aussterben betrohnten Vogelarten, wie es beim Straßenbau praktiziert wird ? Ist der Schaden durch Windkraftanlagen (Vögel -> Rotorblätter / Bautätigkeit) tollerabel aber beim Straßenbau nicht ?

Ich will nur darauf hinaus, das die Grünen sich auch in NP Belange sofort und lautstark einmsichen würden, wenn sie es denn wollten.
Aber hier spiegelt sich die Schizophrene Haltung der Grünen wieder.
 In der Praxis zählt für mich nur, wie sieht das Ergebnis aus.
Und hier sollen große vom Borkenkäfer kahlgefressen Waldbereiche Ok sein aber eine kleine Schneise für eine Piste/Bahn gilt es mit aller Kraft zu bekämpfen ?
(Morrwälder und ähnliche Details mal ausgenommen)

Hier ist der Mensch plötzlich nicht mehr schützenswert, denn der Harz ist nicht irgendein unberührter Flecken Natur, sondern auch ein Nah-/Fernerholungsgebiet ?

VG