Autor Thema: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz  (Gelesen 49313 mal)

Max

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #135 am: April 29, 2021, 05:42:25 Nachmittag »
Beim Anblick des Waldzustandes muss man schon von einer Waldkrise sprechen. Der Plan einer stetigen Erneuerung des Waldes durch Borki den Borkenkäfer, auch Buchdrucker genannt, hat nicht funktioniert.

Der heißt doch Berti oder? ;D

Ansonsten muss ich sagen, dass ich Usul an der Stelle tatsächlich recht gebe. Auch ich finde vor allem die Flächen schlimm anzuschauen, die erst vor Kurzem dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind oder vom Harvester geerntet wurden — das sieht wirklich alles Andere als schön und schon gar nicht einladend aus.

Auf Langlauf Ski habe ich im vergangenen Winter aber auch andere Bereiche gesehen, welche vermutlich schon vor etwas längerer Zeit abgestorben sind und sich nun langsam erholen. Gute Beispiele hierzu sind die Gegend um den Achtermann sowie westlich des Oderteichs. Hier sieht die Mischung aus der Schneise der Verwüstung, die seinerzeit der Borkenkäfer dort hinterlassen hat und den jungen Fichten tatsächlich stellenweise gar nicht so schlecht aus, eher nach Wildnis statt angepflanzter Monokultur.

Es wird auch dort noch viele Jahre dauern, bis man wieder von einem richtigen Wald sprechen kann, aber das ist so schon ganz OK. Wären da nicht die 10 bis 15 Übergangsjahre in denen ursprünglich wirklich schöne Orte tatsächlich aussehen als hätte dort eine Bombe eingeschlagen.

Ich denke der NP hätte sich in Sachen Akzeptanz sicherlich selber einen Gefallen getan, wenn man den Waldumbau Stück für Stück vorgenommen hätte bzw. einzelne Teilstücke zeitlich versetzt hinzugekommen wären. Die Holzhammer-Methode hingegen wird sicherlich nicht jedem gefallen und dürfte dem NP — völlig zu recht — noch ordentlich Kritik einbringen.

playjam

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #136 am: April 29, 2021, 06:57:54 Nachmittag »
[...]

Ich denke der NP hätte sich in Sachen Akzeptanz sicherlich selber einen Gefallen getan, wenn man den Waldumbau Stück für Stück vorgenommen hätte bzw. einzelne Teilstücke zeitlich versetzt hinzugekommen wären. Die Holzhammer-Methode hingegen wird sicherlich nicht jedem gefallen und dürfte dem NP — völlig zu recht — noch ordentlich Kritik einbringen.

Es wäre auch netter gegenüber den vielen Tieren gewesen, die auf den Lebensraum Fichtenwald eingestellt waren. An den Tothölzern sehe ich jetzt zwar viele Buntspechte. Die vorher so zahlreichen Tannenmeisen sind dort leider nicht mehr zu finden. Ob sich der Schwarzstorch, den wir neulich im schattigen Fichtenwald in der Nähe von Braunlage gesichtet haben ebenso auf sonnigen Totholzflächen wohlfühlt, wage ich zu bezweifeln.

Natürlich ist es richtig, dass sich auf einer offenen Fläche, wo die Sonne besser auf den Boden herankommt, sehr viel mehr Lebewesen tummeln. Das sind dann aber andere also vorher. Es wäre naiv zu denken, dass alle Tiere überleben, denen man ihr Lebensraum zerstört.

Dieses rücksichtslose Vorgehen der Nationalparkverwaltung und das immer noch im Nationalpark gejagt wird (um ein paar Euro für Zäune zu sparen), passt für mich nicht zu dem im Nationalparkgesetz beschriebenen Schutzauftrag der Natur.

Neue Besen reinigen besser, schauen wir mal, was der neue Chef bringt.

playjam

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #137 am: April 29, 2021, 08:37:44 Nachmittag »
Kampf gegen den Berti den Borkenkäufer, auch Buchdrucker genannt, aufgegeben:

https://www.goslarsche.de/lokales/braunlage_artikel,-kein-kampf-gegen-borkenk%C3%A4fer-mehr-im-harz-_arid,2099293.html

Zusammenfassung:

Nach Einschätzung des Forstamtes ist der Wald im Harz gegessen. Der Blick ist auf Wiederaufforstung gerichtet. Mit minderwertigem Industrieholz werden mehrere große Schutzräume gebildet, um die jungen Zöglinge die nächsten 15 Jahre vor dem Wild zu schützen.

Geht also auch anders...

Nordharzer

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #138 am: April 30, 2021, 10:32:44 Vormittag »
Kampf gegen den Berti den Borkenkäufer, auch Buchdrucker genannt, aufgegeben:

https://www.goslarsche.de/lokales/braunlage_artikel,-kein-kampf-gegen-borkenk%C3%A4fer-mehr-im-harz-_arid,2099293.html

Zusammenfassung:

Nach Einschätzung des Forstamtes ist der Wald im Harz gegessen. Der Blick ist auf Wiederaufforstung gerichtet. Mit minderwertigem Industrieholz werden mehrere große Schutzräume gebildet, um die jungen Zöglinge die nächsten 15 Jahre vor dem Wild zu schützen.

Geht also auch anders...

Das ist alles sehr traurig und enttäuschend. Wer aufgibt, hat schon verloren!
Ich kann mich noch an früher erinnern, da standen überall im Harz Borkenkäferfallen, die hat man schon seit Jahren nicht mehr aufgestellt.... und da frage ich mich doch warum nicht?!? Einfach, effektiv und kostengünstig!
Kann man nur hoffen, dass auch der NP dafür zur Verantwortung gezogen wird! 😡

playjam

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #139 am: April 30, 2021, 12:44:43 Nachmittag »
Das ist alles sehr traurig und enttäuschend. Wer aufgibt, hat schon verloren!

Ja, sehr traurig und enttäuschend, aber realistisch. Laut Forstamt gibt es aber kaum noch Bäume, um die man kämpfen könnte.

Es ist eigentlich genau das Szenario eingetreten, was mir ein Forstfachmann vor einigen Jahren vorhergesagt hat. Wenn die Borkenkäufer im Nationalpark keine Nahrung mehr finden, dann fallen die massenhaft in die umliegenden Wälder der Forstbetriebe ein. Der von der Nationalparkverwaltung ohnehin nicht konsequent gepflegter 500m Schutzstreifen war nach Expertenmeinung vorhersehbar wirkungslos.

STS

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #140 am: April 30, 2021, 01:43:30 Nachmittag »
Der Artikel endet durchaus konstruktiv:

Ziel sei, dass die „Nach-Nachfolger“ im Revier eine klimastabile breite Palette an Baumarten hätten, um die nächste Generation der Waldverjüngung einzuleiten, sagt er und freut sich über die Kreativität der Mitarbeiter. „Wir hatten jetzt drei Jahre, die keinen Spaß gemacht haben. Diese Waldgestaltung, die macht wieder Spaß.“ 

playjam

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #141 am: April 30, 2021, 04:30:33 Nachmittag »
Der Artikel endet durchaus konstruktiv:

Ziel sei, dass die „Nach-Nachfolger“ im Revier eine klimastabile breite Palette an Baumarten hätten, um die nächste Generation der Waldverjüngung einzuleiten, sagt er und freut sich über die Kreativität der Mitarbeiter. „Wir hatten jetzt drei Jahre, die keinen Spaß gemacht haben. Diese Waldgestaltung, die macht wieder Spaß.“

Ich denke auch, dass es richtig und wichtig ist, einen Schnitt zu machen und nach vorne zu schauen.

Extrem positiv finde ich, dass man auf Umzäunung/Abgrenzung der Anpflanzungen setzt, statt 15 Jahre verschärfte Jagd. (Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Nationalpark...)

STS

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Re: Enttäuschungen Nationalparkverwaltung Harz
« Antwort #142 am: Juni 17, 2021, 05:18:38 Nachmittag »
Waldbrandgefahr
https://www.goslarsche.de/welt/thema-des-tages_artikel,-waldbrandgefahr-flugzeuge-starten-zur-raucherkennung-_arid,2150626.html
Hoffentlich kommen wir auch dieses Jahr wieder um die Katastrophe im zundertrockenen Oberharz herum. Bis der Wald sich nach der gefährlichen Nationalpark Strategie wieder grün wird, vergehen noch ein  paar kritische Sommer.
« Letzte Änderung: Juni 17, 2021, 10:50:51 Nachmittag von STS »